Die Ringvorlesung verknüpft zwei hochaktuelle wie auch brisante Themen unserer Gesellschaft, nämlich erstens Algorithmen und Methoden der maschinellen Sprachverarbeitung, zweitens strategische Kommunikation in öffentlichen Diskursen.

Die Entwicklung neuer Forschungsmethoden in der Korpus- und Computerlinguistik, Sprachinformatik oder auch in neueren Varianten der Medienwissenschaft erlauben uns heute die induktive Auswertung großer Datenmengen (mehrere Tausend bis Millionen von Texten), etwa zur Beschreibung von Sprachgebrauchsmustern, massenmedialen Images oder sozialen Netzwerken. Die Ergebnisse dieser algorithmisierten Forschung finden ihrerseits Anwendung in verschiedenen Bereichen, etwa in der Mensch-Computer-Interaktion (z.B. mit Einsatz von Sprachassistenten in immer mehr Haushalten und Gerätekategorien), in der automatisierten Erkennung von „Spam“/“Junk“-Nachrichten oder „Hatespeech“, in digitalen Nachschlagewerken oder Expertensystemen zur Optimierung von Gesetzesentwürfen in der Legislative. Nicht nur für angehende Geistes-, Sozial- und KulturwissenschaftlerInnen innerhalb der Universität, auch in der Alltagspraxis von Unternehmen und Verwaltung wird es zukünftig immer wichtiger, Kompetenzen zum Umgang mit algorithmisierter Sprachverarbeitung aufzubauen. Dies erfordert ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise und der Grenzen ihres Einsatzes, um die Methoden kritisch zu hinterfragen und aktiv zur Weiterentwicklung maschineller Sprachverarbeitung beizutragen.

Besonders deutlich wird dies in der computergestützten Kommunikation öffentlicher Diskurse: Ist es wirklich möglich, Wahlen mit „Chatbots“ zu beeinflussen? Wie funktioniert User-Tracking, staatliche Überwachung oder die automatisierte Auswahl von Job-BewerberInnen mithilfe algorithmisierter Sprachanalyse und welche Risiken ergeben sich daraus für den demokratischen Alltag des Einzelnen? Oder umgekehrt: Wie lassen sich computergestützte Analysemethoden fruchtbar machen, um die Verfasstheit von Diskursen – die Denk- und Machtmuster – in digitalisierten Gesellschaften zu untersuchen und Formen strategischer Kommunikation (von verdeckter Werbung, über Fake-News und Lobbyismus bis hin zu Propaganda) sichtbar(er) zu machen?

Studienleistung: Eine Studienleistung kann durch Bestehen eines kurzen (halbstündigen) Tests am Ende der Veranstaltung erworben werden.
Prüfungsleistung: Eine Prüfungsleistung kann erwerben, wer als Teil einer Studiengruppe eine kleine empirische Analyse im Rahmen des Veranstaltungsthemas erarbeitet, am Ende der Ringvorlesung mündlich vorstellt und im Anschluss in einem wissenschaftlichen Essay (im Umfang von etwa 8 Seiten) ausarbeitet.