Auf dieser Seite finden Sie Kurzinformationen sowie Ansprechpartner zu den laufenden und abgeschlossenen Forschungsprojekten.

Diskursmonitor

(seit 2018)

Diskursmonitor.de ist ein Online-Portal zur Aufklärung und Dokumentation von strategischer Kommunikation in gesellschaftlichen Diskursen. Es richtet sich nicht nur an WissenschaftlerInnen und Studierende aller Disziplinen, sondern vor allem auch an PraktikerInnen in Schulen, Medien, Politik, Verwaltung und Justiz. Ziel des Portals ist: (1) die bislang verstreute und nur innerakademisch zugängliche Diskursforschung aus verschiedenen Disziplinen systematisch aufzubereiten und leichter zugänglich zu machen (Glossar, Bibliographie, Review); (2) aktuelle diskursive Entwicklungen auf Basis qualitativer und computergestützter Verfahren sichtbar und verhandelbar zu machen (Review, Barometer); sowie (3) Materialien und Handreichungen bereit zu stellen für den Einsatz in Lehr-Lern-Kontexten (Schulen, NGOs usw.).

Herausgeber des Portals ist die „Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention“, die die Inhalte des Diskursmonitors auch redaktionell betreut.

Koordinator:
Univ.-Prof. Dr. Friedemann Vogel
Weiterführende Informationen:
https://diskursmonitor.de/

Leistungsschutzrecht und Uploadfilter

(seit 2019)

Im Kontext der seit 2012 auf EU-Ebene geführten Debatten um die Legitimationsbedingungen maschineller Inhaltserkennungssoftware (Uploadfilter) steht im Fokus des Promotionsprojekts die Analyse des Diskurses zur Normgenese in der Gesetzgebung auf EU- und nationaler Ebene quer zu den Domänen Politik, Recht, Medien und Zivilgesellschaft. Diese wird auf die Untersuchung textbasierter und multimodaler Korpora aufbauen, mit dem Ziel diskursive Struktur- und Prozessmuster unter Berücksichtigung ihrer sprachlich-semiotischen Perspektivierungen und deren (strategischer) Funktion herauszuarbeiten.

Die Verbindung dezidiert computerlinguistischer Verfahren mit dem bewährten Methodenrepertoire kollaborativ-interdisziplinärer Diskursforschung ermöglicht dabei eine Korpusbildung aus Social Media, (digitalen) Massenmedien und Rechtsinformationssystemen, die auf quantitativer Ebene dem expansiven Charakter von Massendaten empirisch Rechnung trägt und die qualitativ-hermeneutischen Fragestellungen der Diskurslinguistik zugleich integral stützt.

Promotionsprojekt:
Benjamin Bäumer
Betreuung:
Univ.-Prof. Dr. Friedemann Vogel

 

Referenzkorpus des deutschsprachigen Rechts (JuReko)

(2014-2017)

Das Projekt versteht sich als Beitrag zur interdisziplinären Rechtsforschung und widmet sich den Möglichkeiten und Grenzen einer „Ausmessung“ juristischer Diskurse. Mit der Konzeption und Aufbereitung des juristischen Referenzkorpus steht nun die erste repräsentative Datenbasis für quantitative rechtslinguistische Analysen bereit. Das Korpus in der Version 2.0 enthält Gesetze, Entscheidungen (deutsch und englisch) und Aufsätze von ca. 1981 bis 2015. Das Projekt wurde drei Jahre (2014-2017) durch die Heidelberger Akademie der Wissenschaften finanziert.

Projektleiter:
Univ.-Prof. Dr. Friedemann Vogel
Dr. Dr. Hanjo Hamann (MPI Bonn)
Gefördert durch:
Heidelberger Akademie
der Wissenschaften
Weiterführende Informationen:
https://www.jureko.de

Computer Assisted Legal Linguistics Laboratory (CAL²Lab)

(2017-2019)

Das Projekt wird von 2017 bis 2019 von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften finanziert und baut eine Forschungs- und Experimentierplattform für die evidenzbasierte Analyse juristischer Sprache und Semantik auf. Das CAL²Lab wurde konzipiert für den Zugriff auf umfassende statistische Daten der 200.000 meistgebrauchten Lemmata (Substantive, Verben und Adjektive) des juristischen Referenzkorpus (JuReko). Diese sogenannten Kontextprofile enthalten Informationen zu Vorkommen im Zusammenhang mit Metadaten wie Textsorte, Jahr, Gericht, Zeitschrift, Autor und Textposition. Daneben werden Mehrworteinheiten und Kookkurrenzen berechnet. In zwei weiteren Moduleinheiten werden ein Maß zur Einordnung der Bestimmtheit/Unbestimmtheit der Begriffe und eine Visualisierung zur Ähnlichkeit der Kontextprofile erarbeitet.

Projektleiter:
Univ.-Prof. Dr. Friedemann Vogel
Dr. Dr. Hanjo Hamann (MPI Bonn)
Promotionsprojekt:
Isabelle Gauer M.A.
Gefördert durch:
Heidelberger Akademie
der Wissenschaften
Weiterführende Informationen:
https://www.cal2.eu


Praktiken der Authentifizierung im Zeitalter der Digitalität

(seit 2018)

„Mangelnde Authentizität“ in der „anonymen“ Internetkommunikation ist ein häufiger Topos in massenmedialen Debatten. Abgesehen davon, dass aus medientechnischer (informatischer) und semiotischer Perspektive Anonymität theoretisch wie praktisch unmöglich ist, wird damit auf eine anthropologische Grundfrage menschlicher Interaktion verwiesen: Was sind die mikro- wie makro-skopischen Konstitutionsbedingungen dafür, eine Person oder Gruppe als eine bestimmte zu identifizieren und – vor dem Hintergrund sozialer Ressourcenverteilung – zu authentifizieren? Unter „Authentifizierung“ werden dabei reziprok erwartbare und routinisierte, multimodal konstituierte und sozial codierte Handlungsformen verstanden, die (auch) den Zweck haben, den oder die Sprecher zu identifizieren (als ‚denselben’ auszuzeichnen), im kommunikativen Verlauf kontinuierlich zu verifizieren und damit zugleich seinen Zugang zu sozialen, kulturellen und ökonomischen Ressourcen zu organisieren. Das langfristig angelegte Projekt widmet sich in verschiedenen empirischen Teilstudien den kultur- und medienspezifischen sowie transkulturellen bzw. transmedialen Prozeduren und Praktiken der Authentifizierung im Kontext digitalisierter Gesellschaften und eröffnet damit ein neues Forschungsfeld an der Schnittstelle von Linguistik, Soziologie, Informatik und Medienwissenschaft.

Koordinator:
Univ.-Prof. Dr. Friedemann Vogel

Linguistische Diskursintervention – Normative Maßstäbe der Kritik

(2018-2019)

Die Diskursforschung trägt eine Verantwortung für die Kultivierung öffentlicher Diskurse. Doch wie lässt sich eine gezielte Intervention, ein Eingreifen in gesellschaftliche Zeitgespräche normativ rechtfertigen, ohne in oberflächliches, selbstimmunisierendes Moralisieren oder in die Beliebigkeit politischer Parteislogans abzugleiten? Was kann ein transparenter, normativer Maßstab für die wissenschaftliche Bewertung sozialer und gesellschaftlicher Diskursverhältnisse sein? Diese Frage wurde selbst in engagierten Varianten der Diskursanalyse bislang nur am Rande diskutiert. Ihre Klärung ist notwendig verbunden mit der Frage nach konkreten Praktiken, Formen und Zielen der Diskursintervention. Diese sind Gegenstand dieses Projektes.

Koordinator:
Univ.-Prof. Dr. Friedemann Vogel
Weiterführende Informationen:
https://www.diskursintervention.diskursmonitor.de

Revolution | Fortschritt | Evolution

Die Geschichts- und Zukunftsvorstellungen gehören zu den entscheidenden Präliminarien des politischen Diskurses. Sie erweisen sich bei näherer Betrachtung historisch als hoch variabel. Die Promotion von Fabian Deus untersucht hierbei den Einfluss, den evolutionistische (oder allgemeiner naturgeschichtliche) Semantiken auf die gesellschaftlichen und politischen Konzeptualisierungen von Geschichte und Zukunft hatten. Besonders relevant und nachhaltig das Verhältnis von natur- und gesellschaftsgeschichtlichen Semantiken prägend war der Diskurs der (deutschen) Arbeiterbewegung in der Zeit um 1900, wo evolutionistische Semantiken systematisch in eine wissenschaftliche ‚Weltanschauung‘ integriert und politisch aufgeladen wurden.

Promotionsprojekt:
Dr. des. Fabian Deus
Betreuung: 
Prof. Dr. Clemens Knobloch
Status:
Abgeschlossen, Publikation in Vorbereitung

‚Gefährder‘ und ‚Gefahren‘

(seit 2019)

Die Möglichkeit der massenhaften Datenauswertung des IT-Zeitalters brachte neue Verdachtsschöpfungstrategien der Sicherheitsbehörden mit sich. Polizeien und Sicherheitsbehörden meinen, durch eine proaktive Intelligence-Arbeit, zukünftige Straftäter vor der Begehung der Tat identifizieren zu können. In Verbindung mit den aktuellen Entwicklungen in Polizei- und Geheimdienstrecht, die behördlichen Befugnisse in Bezug auf diese Form der Verdachtsfälle im Sinne der Gefahrenabwehr immer weiter auszuweiten, führt dies zu einer nicht unproblematischen Verlagerung von Grundrechtseingriffen in das Vorfeld des Strafrechts. Im Fokus des Promotionsprojektes steht die diskurslinguistische/rechtslinguistische Reflexion der Rolle des Sprachgebrauchs im entsprechenden (Rechts-)Diskurs und in der Rechtspraxis.

Promotionsprojekt:
Felix Tripps
Betreuung: 
Prof. Dr. Friedemann Vogel

Korpushermeneutik

Ein korpuslinguistischer Ansatz zur Textanalyse

Innerhalb der Korpuslinguistik gibt es zwei wesentliche Strömungen „corpus-driven“ und „corpus-based“. Während „corpus-based“-Analysen Korpora wie eine Art Steinbruch verwenden – zum Durchsuchen und Herausbrechen von Belegen. Übergeben „corpus-driven“-Analysen das Korpusmaterial an verschiedene Algorithmen. Ziel dieser Arbeit ist es, einen dritten, verbindenden Weg zu etablieren. Dazu ist es notwendig, eine Software zu entwickeln, die beide Analysewege abbilden kann. Eine Software selbst kann nicht hermeneutisch sein – sie ist nur Werkzeug, welches dann zu explorativen Erschließen von Korpusmaterial genutzt werden kann. Die Software „CorpusExplorer“ finden Sie in unser Software-Sektion.

Promotionsprojekt:
Jan Oliver Rüdiger
Betreuung: 
Prof. Dr. Andreas Gardt