Mehr Crunch als Argument: Der Dubai-Schokoladen Diskurs auf Social Media

Ein Beitrag von Susanna Mengel

„Dubai schockolade mir fehlen die worte“, schreibt eine Userin unter ihr TikTok, „I’M RUINED NOW THAT I KNOW THIS EXISTS“ eine andere Userin. Es wird geknackt, geknistert, gecruncht und geschmatzt. Dubai-Schokolade im Vergleich, Dubai-Schokolade selbstgemacht, Dubai-Schokolade aus Styropor, als Deko zum Hinstellen. Überall nur Dubai. Und zwar nicht nur im hohen Lobeslied, sondern auch in der Kritik, man findet beides.

Die einen sprechen davon, „endlich“ eine Dubai-Schokolade zu besitzen, andere schreiben unter ein Video, die Schokolade lohne sich nicht. Sucht man auf TikTok nach #dubaischokolade wird man von einer Vielzahl von Videos beliefert, die alle etwas zum Thema Dubai-Schokolade beitragen wollen. Was dabei auffällt: Die wenigsten Beiträge zum Diskurs um die Dubai-Schokolade auf Social Media begründen ihre Meinung argumentativ. In der absoluten Mehrheit von Beiträgen wird lediglich gezeigt und gesagt: Dass man das Produkt besitzt, dass man es isst, dass es schmeckt oder nicht schmeckt, dass der Crunch-Faktor zufriedenstellend ist oder nicht, dass genug Pistaziencreme vorhanden ist oder nicht. Damit ist der Diskurs rund um die Dubai-Schokolade auf Social Media ein oberflächlicher, konsumgesteuerter Diskurs inhaltsloser und das Produkt selbst wird zum reinen Prestige-Produkt.

Dabei gibt es im großen Diskurs um die Schokolade einige Fachdiskurse, die durchaus sachlich argumentieren und Meinungen stützen. Im Rechtsbereich wurde über die Namensnutzung diskutiert. Man dürfe nur ‚Dubai‘ auf ein Produkt schreiben, wenn es wirklich aus Dubai stamme, argumentierte unter anderem ein Schokoladen-Hersteller, der seine Dubai-Schokolade in Dubai produzieren lässt und in Deutschland vertreibt. Die falsche Herkunftskennzeichnung im Namen könne den Käufer betrügen. Dieser Herkunftstopos wurde beispielsweise gegen den Vertrieb der Eigenmarken von Aldi und Lidl aufgeführt, produzierten die Discounter schließlich ihre Schokolade nicht in Dubai. In manchen Bundesländern wurde daraufhin ein Verkaufsverbot eingeführt. Andere Landgerichte entschieden sich jedoch gegen ein Verbot für die Discounter, sei der Begriff ‚Dubai-Schokolade‘ schließlich längst eine Art Gattungsbegriff geworden. (Siehe zum Beispiel).

Auch im Gesundheitsbereich wurden Studien angeführt und es wurde faktisch argumentiert, als man Mängel an Produkten verschiedener Hersteller vorweisen konnte. Diese Fakten wurden in den journalistischen Medien aufgegriffen und mit einem Gesundheitstopos gegen den Konsum verhandelt. Im Kinder-Onlinemagazin das ist Kindersache schreibt eine Autorin: „In Proben der Schokolade aus der Vereinigten Arabischen Emirate und aus der Türkei wurden Stoffe gefunden, die nicht darin sein sollten. Zum Beispiel enthielten manche der Schokoladen Sesam, obwohl es nicht angegeben war. Das ist ein Problem für Menschen mit Allergien.“

Und trotzdem bleibt der große Hype auf Social Media frei von Argumenten, denn keine der gerade genannten Problematisierungen finden in den knusprigen-Ess-Videos der TikTok- und Instagram-UserInnen Anwendung. In der breiten Masse des Internets wird konsumiert, was Lust generiert, man zeigt sich und anderes, um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen. Rechtliche und gesundheitliche Aspekte werden eher weniger angeschaut. Es geht darum, mitreden zu können. Und dafür braucht es keine auf Argumenten basierende Meinung, sondern eigentlich nur eines: Die Dubai-Schokolade zum in die Kamera halten.