Warum ist Dubai-Schokolade so ansteckend? Werbung als Instrument

Ein Beitrag von Liam Horsch

Bei einem sozialen Hype wie jenem um die Dubai-Schokolade ist man von einem moralischen Diskurs oft nicht weit entfernt. Dabei geht es – wie wir sehen werden – zum einen um die moralische Frage der Beschaffung von Pistazien und Schokolade im Allgemeinen, allerdings auch um die Rechtfertigung des vergleichsweise hohen Preises und des Hypes an sich. Auch spielen hier wissenschaftliche sowie juristische Topoi eine gewisse Rolle, da in der Vergangenheit Laborproben zu dem Ergebnis führten, dass einige Varianten des Produktes unter anderem mit Schimmelpilzgiften verunreinigt waren.

Auf all diese Aspekte des Moraldiskurses soll nun im Folgenden einzeln eingegangen werden.

Zunächst einmal sind Schokolade und Kakao allein in der heutigen Zeit bereits ein unter moralischen Aspekten recht umkämpftes Thema. Die Ausbeutung von kleinen Kakao-Farmbetrieben durch große Schokoladenkonzerne und die daraus resultierende Kinder- und Sklavenarbeit wurden in der Vergangenheit bereits häufig in den Medien behandelt. Somit steht die Schokolade an sich schon ohne den „Dubai“-Zusatz unter der Frage „Wie weit darf der Genuss in unserer westlichen Zivilisation Einfluss auf die Freiheit anderer Bevölkerungsgruppen haben?“

Im Falle der Dubai-Schokolade kommt außerdem erschwerend hinzu, dass die hohen Produktionskosten der Pistazienfüllung sowie die hohe Inflationsrate den Pistazien-Bauern und Exporteuren zumindest in der Türkei „zu schaffen macht“ – so die BILD-Zeitung in ihrem Artikel „Expertin warnt: Pistazien wegen Dubai-Schoki knapp! Steigen jetzt die Preise?“.

(Quelle: https://www.bild.de/leben-wissen/lifestyle/dubai-schokolade-werden-jetzt-die-pistazien-teurer-671647871eb02276e252ff08#fromWall) 

Die T-Online veröffentlichte im Dezember 2024 einen Artikel zur Dubai-Schokolade mit dem Titel „Gnadenlos überteuert – Dubai-Schokolade: Luxus-Preis entlarvt – so billig ist sie wirklich“, in welchem bereits durch die Überschrift der hohe Preis des Produktes sichtlich verurteilt wurde. Weiterhin heißt es im Artikel: „Die wahren Kosten liegen nur bei einem Bruchteil des Preises. […] Aber lohnt sich der Kauf? Ein

genauer Blick auf die Zutaten zeigt: Die Schokolade ist weder besonders exklusiv noch teuer in der Herstellung. […] Hinter dem hohen Preis scheint vor allem eines zu stecken: Marketing.“

Hier werden Themen angesprochen, die auch in unserem Blogeintrag zum Klassendiskurs nach Bourdieu behandelt werden: Der Name „Dubai“ wird mit Reichtum, Exotik und Exklusivität verbunden, das Marketing und die Verpackung mit ihren Goldmustern suggerieren Luxus. Insofern stehen die preislichen und Vermarktungs-Aspekte der Dubai-Schokolade klar unter der moralischen Frage „Inwieweit darf die Vermarktung eines Produktes die Tatsachen verfälschen, um bei den Konsumenten positiv anzukommen?“

Zusätzlich sei hier außerdem noch der Einfluss der sozialen Medien genannt, welche eine nicht unerhebliche Rolle bei der Verbreitung des Hypes um die Dubai-Schokolade spielten und noch immer spielen. Also: „Wieviel Macht sollten soziale Medien und insbesondere einzelne Influencer ausüben können?“

All dies könnte man gewissermaßen auch unter der Rubrik „Fragen nach der Dekadenz“ einordnen, da es handelt sich bei Schokolade um ein Luxusgut handelt. Durch den Hype um die Dubai-Schokolade wird sie (wie ebenfalls im Klassendiskurs-Text erwähnt) mehr zum Statussymbol als nur zum Genussmittel geriert.

(1) Diese Abbildung wird generiert, wenn man [Name der AI] darum bittet ein Bild von [PROMPT] zu erstellen.

Der moralische Diskurs um die Dubai-Schokolade geht jedoch auch über die gesellschaftlichen Aspekte hinaus bis hin zu teils juristischen Fragen. So titelte die WELT im Dezember 2024: „Von Betrug bis Gesundheitsschädlichkeit wurde in Dubai-Schokolade alles gefunden“. Es wird beschrieben, wie bei Laborproben des Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamtes besonders an den ersten aus den Arabischen Emiraten und der Türkei importierten Varianten des Produktes „Verunreinigungen, Farbstoffe, Allergene und Fremdfett“ festgestellt worden seien. Besonders die Proben aus den Emiraten seien „nicht für den menschlichen Verzehr geeignet“.

Somit wird hier neben dem moralischen Aspekt auch die juristische Frage nach dem Verbraucherschutz aufgeworfen.

Abschließend ist zu erwähnen, dass der Teildiskurs um die moralischen Aspekte der Dubai-Schokolade innerhalb der Konsumenten-Gemeinschaft in dieser Form kaum bis gar nicht zu existieren scheint. Viel eher geht es in den sozialen Medien und im allgemeinen („Stammtisch-„) Diskurs eher um den Konsum der Schokolade sowie um die Befürwortung oder Ablehnung des Produktes selbst und den Hype darum.

Eine Kritik an den Aspekten rund um die Dubai-Schokolade ist höchstens in der Disziplin der Memes zu finden, welche die Absurdität des hohen Preises und des Hypes behandeln.
Mehr dazu ist in unserem Blogeintrag „Der Memes überdrüssig oder Memes des Überdrusses?“ zu finden.